Dienstag, 27. September 2016

Mit Smilla von Kreativlabor Berlin auf dem Lillestoffestival


Auch ich hab es getan. Auch ich habe vor ein paar Monaten am Laptop geklebt wie sonst nur mittwochs um 23.59 wenn ich zu Rums verlinke, und habe so schnell es ging ein Wochenendticket und einen Fotoworkshop in den Warenkorb geworfen und bezahlt. Ja, Ich war dabei, beim Lillestofffestival 2016!

Wenn eins schon klar wie Kloßbrühe war, als ich die Tickets gekauft habe, dann, dass ich zum Fotoworkshop endlich eine selbstgenähte Kameratasche mitbringen will. Ich hatte mich schon beim Probenähaufruf von Kreativlabor Berlin und Frau Fadenschein in die Smilla verliebt- wurde aber leider nicht genommen. Um So schöner war es für mich, dass ich den Schnitt dann zur Verfügung gestellt bekommen habe um ihn zu nähen und ihn auf meinem Blog vorzustellen. Vielen Dank dafür an Julia von Kreativlabor Berlin!


Was für mich sehr lang sehr unklar war, war die Auswahl der Stoffe. Ich habe mehrere Male neue Materialkombinationen eingekauft, weil ich wieder unsicher wurde, ob mir die Tasche so gefallen würde- lange gefallen würde, denn eigentlich ist eine Kameratasche etwas praktisches, das mehrere Jahre halten sollte und möglichst zu aller Kleidung passt, in der man sie durch die Welt trägt.... Eher wie ein Schulranzen, funktional, auch schön, aber nicht so, dass sie zu sehr der Mode unterworfen ist.


Hinzu kamen praktische Überlegungen. Für den Schnitt wird ein Nicht fransendes Material für die Akzente und den Boden benötigt. Ich habe mit dem Gedanken gespielt hier echtes Leder zu verwenden, bin dann aber zu Kunstleder übergegangen- so eine Tasche benötigt nämlich einiges an Material- wer öfter Taschen näht, der weiß, das ist kein Schnäppchen, allein das unsichtbare Material kostet oft mehr als der Stoff für ein Kleid! Ich musste also trotz aller Langlebigkeit auch im Auge behalten, dass die Kosten nicht ins unermessliche wachsen (vorallem weil ich ja schon mehrfach Material gekauft hatte....)


Kunstleder hat neben dem Preis eine weitere, für mich sehr wichtige Eigenschaft. Smilla kann neben Kameras auch sehr gut Laptop und weitere Technik transportieren, da sie einen gepolsterten Boden hat ist sie dafür weitaus geeigneter als viele Taschen die ich sonst so nutze, aber gerade für Technik wäre es fatal, wenn man die Tasche auf den Boden stellt und sie sich von unten mit Wasser vollsaugen kann, wenn es feucht ist. Daher war mir immens wichtig, dass das Kontrast- beziehungsweise Bodenmaterial wasserdicht ist.


Beim Hauptstoff habe ich mich letztlich entschieden, als ich die Bucketbag aus dem Inka-Stoff von Räuberfloh fertig genäht hatte. Den blauen Stoff hatte ich zum Designvernähen bekommen, mir aber direkt beide anderen Farbstellungen mitbestellt, weil ich das Design so zeitlos schön fand. Als ich festgestellt hatte, wie toll sich dieser Stoff verarbeiten lässt, war endlich klar, wie meine Tasche aussehen würde- und es war auch schon drei Tage vor dem Lillestofffestival.
Ich musste also schnell sein- und es hat geklappt! Natürlich dauert der Zuschnitt bei Taschen seine Zeit, weil es einfach viele Teile sind und man sehr genau arbeiten muss, aber nachdem das geschafft war, ging das Nähen umso schneller.
Für mich war Smilla der erste Taschenschnitt von Kreativlabor Berlin. Von den Kleidungsschnitten kannte ich schon die im Schnittmuster enthaltene Nahtzugabe, die gerade bei Taschen das ordentliche Arbeiten erheblich erleichtert, weil man so wirklich umlaufend eine genaue Nahtzugabe hat ohne durch das Anzeichnen beim Zuschnitt viel Zeit zu verlieren. Nur wenn man die Nahtzugabe peinlich genau einhält bekommt man im fertigen Ergebnis wirklich passende Abschlüsse- das ist also ein riesiger Pluspunkt!


Auch die Anleitung war gewohnt auf den Punkt formuliert und die Bilder zeigen wirklich was man tun muss. Etwas schwer getan habe ich mich allerdings dieses Mal mit der Anordnung von Bildern und Text- vielleicht aber auch, weil man im Stress nicht so genau liest? Zu Fehlern hat es jedenfalls nicht geführt, nur zu kleineren Orientierungsproblemen beim auf die Anleitung schauen, und ist definitiv meckern auf ganz hohem Niveau.


Die Tasche war erstaunlich schnell genäht, ich hatte mch auf einen deutlich größeren Zeitaufwand eingestellt. Da eine Kamera immer viel Zubehör mit sich bringt, habe ich alle im Ebook enthaltenen Fächer und Taschen eingenäht. Was mir im Praxistest dann etwas fehlte, war aber ein möglichst kleines Steckfach oder Reißverschlusstäschchen, in dem Speicherkarten und Reservebatterien Platz finden. So ein Fach könnte man, im Nahinein betrachtet, noch im Schnitteil für das Große Steckfach oder darauf unterbringen- aber auch hier ist das Meckern wieder an einer Kleinigkeit- man kann für diesen Kleinkram natürlich auch die vorhandnenen zwei Reißverschlussfächer nutzen....
Vom Platz her war ich insgesamt sehr beeindruckt: Ich kann neben dem Kameraeinsatz und dem gesamten Zubehör meiner Kamera, ohne Probleme meinen Laptop ins Steckfach verstauen, und sogar das Stativ meiner Kamera der Länge nach unter der Verschlussklappe durchschieben um es bequem zu Trasportieren. Und bei all dem Hat die Tasche noch immer eine angenehme Größe, und wirkt nicht wie ein Reisekoffer!



Nach der Tasche kam der Kameraeinsatz, und der war ein einziger Kampf. Ich konnte nämlich partout keinen Schaumstoff in der vorgegebenen Dicke auftreiben und musste einen um ganze 5mm dickeren wählen. 5mm sind die Welt für eine Nähmaschine, und auch für die Schnitteile, obwohl es sich so wenig anhört! Durch diese zusätzliche Dicke konnte die Maschine nichtmal bei längster Stichlänge und Obertransport transportieren, sodass ich mich letztlich dafür entschieden habe mit Textilkleber den Boden auf den Stoff zu kleben, und unter Fluchen und mit Hilfe des Reißverschlussfusses die Seitennähte schließen musste. An ein anschließendes Versäubern war hier aus Platzgründen nichtmehr zu denken, daher habe ich einen Überzug für den Kameraeinsatz genäht, in dem sich die unschönen Nähte verstecken. Eigentlich ganz praktisch, denn zwischen Einsatz und Hülle habe ich nochmal etwas Platz um Kleinteile hineinzustecken.


So ist die Tasche dann also gerade eben noch, 8 Stunden bevor das Lillestoffestival seine Pforten öffnete, fertig geworden.
Und hat sich der Aufwand und der Stress gelohnt? Ich würde im doppelten Sinne sagen: Ja!
Es hat sich gelohnt endlich die Tasche zu nähen und die Kamera anstandig einzupacken, es hat sich aber auch gelohnt das Lillestofffestival zu besuchen und viele der Personen, die man nur aus dem Internet kennt, live zu treffen.
Entgegen all meiner Erwartungen vergingen zwei schöne Tage ohne Zickenkrieg und böse Worte- entgegen meinen Erwartungen, weil innerhalb dieser Tage fast 2000 Frauen aufeinander trafen, und die Atmosphäre war insgesamt entspannt und schön.
Natürlich war es etwas laut und auch recht warm- in einer Halle mit vielen Menschen und laufenden Nähmaschinen nicht anders zu erwarten, aber das nimmt man für so ein Event, und auch da es nicht jeden Tag so um mich herum zugeht, gerne in Kauf.
Einzig das Essen hätte etwas besser sein können, vorallem der schon säuerliche Mais an Tag zwei war ein No Go, aber der Fotoworkshop hat dafür richtig Spaß gemacht, sodass der Tag keinesfalls vom Essen verdorben wurde. Wie findet ihr denn die Bilder in diesem Beitrag? Es sind meine ersten ohne Vollautomatik aufgenommenen, und ich würde sagen, man sieht schon, dass ich etwas gelernt habe, oder?


Schnitt: "Smilla" von Kreativlabor Berlin, gemusterter Stoff "Dekostoff Inka" von Räuberfloh, Kunstleder von Kunstleder Grimpy, Karabiner von Prym
Verlinkt: "12 Letters of Handmadefashion", Creadienstag, Handmade on Tuesday, Lillestofffestival-Linkparty, Dienstagsdinge



Donnerstag, 22. September 2016

Das ist Zucker, Puppe!


Heute gibt es von mir mal wieder ein Ergebnis aus einem Probenähen. Goldkrönchen hat den Schnitt "Zuckerpuppe", einen Latzrock herausgebracht. Eigentlich wollte ich mal ein Bischen Abstand zu Probenähen gewinnen, aber eigentlich wollte ich auch schon lange einen Latzrock haben, und da das für mich Priorität hatte habe ich meine Abstinenz ein Bischen aufgeschoben und mich doch beworben.


Latzröcke haben irgendwie etwas Verspieltes, sSüßes, und genau das wollte ich für meinen Schrank. Bei der Zuckerpuppe hat man zwei Möglichkeiten: Einen Gummizug oder einen Reißverschluss, um das Anziehen zu ermöglichen. Ich habe mich für die Version mit Gummizug entschieden, weil ich mir davon etwas mehr Bewegungsfreiheit erhofft habe.


Leider zeigte sich, dass das Gummiband für den Schweren Stoff, den ich gewählt habe, nicht so gut geeignet ist, da der Stoff sich sehr krumpelt und dadurch den Sitz des Rockes beeinträchtigt. Ich werde den Rock daher nochmal überarbeiten- und empfehle euch, wenn die Stoffe etwas dicker sind, lieber auch auf den Reißverschluss zurückzugreifen. Dadurch bleibt der Rock dann auch wirklich in der Taille, und die Träger auf den Schultern.


Aus zeitlichen Gründen habe ich es nicht geschafft eine weitere Version vor der Veröffentlichung zu nähen. Natürlich hat Claudia die Tipps und Vorschläge zur Problemlösung im Ebook mit aufgenommen- lasst euch also nicht von meinen Problemchen davon abhalten euch eure eigene Zuckerpuppe zu nähen, und eure süße Seite herauszulassen!


Rock: Schnitt "Zuckerpuppe" von Goldkrönchen gibt es hier. Stoff: geerbter dicker Wollstoff, ähnlich Uniformgarbadine oder Anzugstoffen, zum Beispiel über Butinette
Verlinkt: RUMS

Mittwoch, 21. September 2016

Kimonotee- ich bin ein Wiederholungstäter


Überrascht habe ich festgestellt, dass ich nur einen einzigen Schnitt außer meinen Taschen in diesem Jahr schon dreimal genäht habe. Das Kimonotee von Maria Denmark.
Ich habe es hier und hier schon gezeigt, und jetzt in der dritten Version zur Resteverwertung genutzt- und dann völlig überrascht festgestellt, dass ich damit direkt den Buchstaben K für die "12 letters of handmade fashion" abgedeckt habe! also rundum praktisch! ich war nämlich schon am Grübeln, was dazu passt, dass ich auch wirklich brauche- Kleider habe ich so viele, und trage sie dann doch nicht so oft wie ich müsste um ein weiteres zu rechtfertigen...



Bei T-shirts ist das anders. Ich bin tatsächlich ein Jeans- und T-shirt Typ, nur gefallen mir die Outfits meistens nicht gut genug um sie zu fotografieren. Dieses Mal ist das anders, die Kombination aus Jeans, Kimonotee und der Tasche die die Farben wieder aufgreift, hat es mir echt angetan! Bequem und trotzdem nett anzusehen, so sollte Mode immer sein...


Ich finde es sogar immer am schönsten, wenn ein solches Lieblingsstück zufällig entsteht. Eigentlich fand ich nur, das kleine Stück des Flamée- Jerseys, das von meiner Burda-Bluse übrig geblieben war, zum Wegwerfen noch zu groß und zu schade, und für ein Kindershirt nicht geeignet. Ein Blick ins Stoffregal, und endlich war klar, was der Zweck für den Ausbrenner-Jersey ist, der schon länger bereit lag...



Ich gebe zu- es ist recht gewagt, denn die Rückseite ist komplett aus dem Ausbrenner, und somit durchsichtig, und man muss wirklich überlegen welchen BH- oder welches Bikinitop man darunter trägt, aber für die unglaublich heißen Tage in der vergangenen Woche hätte es nicht besser sein können. Wenn man dem Wetterbericht trauen kann wird es ab jetzt aber wirklich herbstlich- eigentlich schade, aber andererseits liebe ich herbstliche Farben...


Shirt: Schnitt "Kimonotee" von Maria Denmark (Frebook bei Newsletter Registrierung), Ausbrennerjersey von Stoffhandel Caplan, Flamée-Jersey von Buttinette
Tasche: Bucketbag Amabel (Schnitt in Arbeit) aus dem Inka- Dekostoff von Räuberfloh und einem Rest Kunstleder
Verlinkt: MemadeMittwoch, After Work Sewing, 12 Letters of Handmade Fashion

Donnerstag, 15. September 2016

Amabel im Inka-Look


Nach wie vor bastel ich am Ebook zu meiner Bucketbag "Amabel". Heute möchte ich euch eine Version zeigen, die etwas geräumiger ist, als die, die es Dienstag zu sehen gab. Der Taschenkörper ist am Boden durch Kellerfalten zusammengefasst, und kann so oberhalb etwas "ausbeulen", sodass die recht kleine Tasche, die ohnehin schon ein kleines Platzwunder ist, direkt noch etwas mehr Stauraum bietet.


Bei dieser Version bin ich außerdem erstmals vom altbewährten Kunstleder abgewichen. Nur der Boden, für den ich es immer praktisch finde ein schmutzunempfindliches Material zu verwenden, und die Streifen mit den Ösen, bei denen das Kunstleder für die Stabilität die besten Eigenschaften bietet, habe ich aus Kunstleder genäht. Der Taschenkörper ist aus Dekostoff mit "Inka"-Design.


Der Stoff fasst sich meiner Meinung nach deutlich besser an, als viele andere Dekostoffe. Er ist etwas weicher aber dennoch grob gewebt. Ein absolutes Highlight für mich, als er ankam, war, dass die Jenasblauen Elemente des Aufdrucks wunderschön glitzern!


Den Stoff durfte ich übrigens designvernähen. Zur Verfügung gestellt hat ihn mir die liebe Karin von Räuberfloh. Da ich mich so schlagartig in das Design verliebt habe, habe ich mir die anderen beiden Farbstellungen direkt dazu bestellt, ihr bekommt bei mir also noch öfter "Inkastoff" zu sehen. Beworben hatte ich mich allerdings gezielt für den blauen Stoff, da ich die Jeansblaue Fransenborte schon zu Hause hatte, und die Kombination mir ab dem ersten Blick auf das Bild im Probenähaufruf nicht aus dem Sinn ging. Und tatsächlich, auch in der Realität passen die Farben perfekt zusammen.


Die Fransenborte habe ich zwischen Boden und Taschenkörper eingenäht. Im Bereich der Kellerfalten habe ich sie jeweils ein Stück geflochten und ein Kordelendstück aufgefädelt. Die gleichen Endstücke finden sich auch an den Quasten am Zugband.


Für den Kordelstopper habe ich wieder auf die bewährte, gedoppelte Variante Zurückgegriffen. Die Bänder gleiten einfach besser hindurch, wenn auch die Innenseite aus glattem Kunstleder ist. Bei den Bändern habe ich im Gegensatz zur zuletzt gezeigten Version allerdings auf die innenliegende Kordel verzichtet. Da ich sie aus Stoff gefertigt habe konnte ich auf den Schrägbandformer zurückgreifen und habe die nötige Griffigkeit durch die insgesamt vier Lagen Stoff, die sich dabei ergeben, erzielen können.


Nachdem ich es in den letzten Tagen fast schon zu warm fand, bin ich jetzt, wo ich so ein schönes sommerliches Täschchen habe, doch traurig, dass das Wetter zum Wochenende langsam herbstlich werden soll. Der Look mit Jeans und weißem Shirt gefällt mir unheimlich gut- ich werde mich wohl um eine Jeansjacke bemühen müssen, um das Outfit über die Jahreszeit retten zu können. Kann mir vielleicht jemand ein Schnittmuster dafür empfehlen?


Tasche: Schnitt "Bucketbag Amabel", derzeit in Arbeit. Dekostoff "Inka" zur Verfügung gestellt von Räuberfloh, gibt es hier, Kordelendstücke über Dawanda, Fransenborte von Stoffideen Hannover
Shirt: Kimonotee von Maria Denmark, Ausbrennerjersey von Stoffhandel Caplan, Flameejersey von Butinette
verlinkt: Taschen und Täschchen RUMS,

Dienstag, 13. September 2016

Erinnert ihr euch?


Ich hatte euch vor ein paar Wochen hier schon meinen ersten Prototypen zur "Bucketbag Amabel" gezeigt. Im Anschluss habe ich noch eine weitere genäht. Eine Bekannte hat mir vor kurzem  geholfen, indem sie mir Logo und Outfit für den Blog neu entworfen hat, und als Dankeschön habe ich ihr eine Amabel genäht. Jetzt hat sie mir ein paar ihrer Urlaubsbilder mit der Tasche für einen kurzen Beitrag zur Verfügung gestellt, sodass ich euch das Ergebnis zeigen kann!


Dieses Mal habe ich die Tasche etwas mit Fransen in den Seitennähten, an den Zugbändern und am Reißverschluss aufgepeppt, und außerdem ein paar Nieten gesetzt. Größe und Material habe ich aber beibehalten. Auch hier ist wieder Kunstleder zum Einsatz gekommen. Im Gegensatz zu meiner ersten Version habe ich den Kordelstopper allerding gedoppelt, sodass er griffiger ist, und die Bänder selber innen mit einer dünnen Kordel genäht, ähnlich einem Paspelband, sodass sie etwas runder sind.


Neben der bisher gezeigten Größe arbeite ich gerade auch an einer Variante, bei der der Taschenkörper etwas mehr Platz bietet, die aber in Höhe und Bodendurchmesser gleich ist. Ich bin gespannt ob es so klappt wie ich es mir vorstelle, ein Bischen Angst dass die Pläne die man im Kopf hat nicht umzusetzen sind schwingt ja immer mit....


 Gefällt euch die Tasche?  Ich glaube, ich sollte meine Werke öfter in den Urlaub schicken, ich bin begeistert von den Bildern!


Schnitt: Bucketbag Amabel von LaLillyHerzileien (in Arbeit)
Material: Kunstleder in Creme und Fransenborte von Stoffideen Hannover
Verlinkt: Creadienstag, Dienstagsdinge, HOT, Taschen und Täschchen






Donnerstag, 8. September 2016

Jeansrock Jessy- kommt jetzt der Herbst?


Kommt er jetzt? Der Herbst? Ich mag diese Zeit, den Übergang vom Spätsommer in den Herbst (zumindest solang es nicht regnet), wenn die ersten Blätter auf die Straße fallen und das Licht so weich und etwas diesig wirkt... 
Nur in dieser Zeit kann man Outfits aus dem Schrank ziehen, wie die Modemagazine sie für den Herbst vorschlagen- noch dünn vom Stoff her, aber schon in diesen schönen warmen Farben des heruntergefallenen Laubs... Erst jetzt schmecken Apfelkuchen und Birnen richtig gut, man schielt schon darauf, ob die Kürbisse im Supermarkt schon beim Saisonpreis angekommen sind...


Genau richtig für diese Zeit ist der Jeansrock, den ich mir genäht habe. Aus dem gleichen Stoff hatte ich in der gleichen Jahreszeit vor zwei Jahren schon einen Rock- längst nicht so professionell genäht, aber während der Schwangerschaft eins meiner liebsten Kleidungsstücke. Einen Jeansrock wollte ich ohnehin schon länger wieder haben, ich trage gerne Röcke, muss aber ganz ehrlich sagen, dass der Sommer für mich die falsche Jahreszeit dafür ist. Früher, da habe ich es geliebt. Wenn die Temperaturen hoch waren, habe ich nie zur Hose gegriffen. Inzwischen stehen sich meine Oberschenkel dafür leider zu nahe. Deswegen sind Röcke in meine Herbst und Frühlingsgarderobe ausgewichen, wenn ich eine Strumpfhose dazu kombinieren kann.

 

Weil es so gut für meine Herbstlooks passt, habe ich, obwohl der Zeitplan recht voll war, sofort zugesagt, als Piexsu angefragt hat ob ich Lust habe ihren Schnitt "Jessy" Probezunähen. Das Bild, das sie mitgeschickt hatte hat mich regelrecht geflasht. Die Zierschlaufen an den Seiten des Rocks fand ich so raffiniert, dass ich einfach nicht widerstehen konnte. Und geschmeichelt gefühlt habe ich mich natürlich auch, meistens muss man sich schließlich zum Probenähen bewerben....


Entstanden ist bei mir nur ein Rock, wobei ich nicht ausschließe, dass noch weitere folgen, aber durch die Verletzung meines Fußes konnte ich erst verspätet einsteigen. Es fiel mir daher recht schwer mich zu entscheiden welchen meiner Stoffschätze ich dafür anschneiden soll. Erst als mir der Rest des dunkelroten Jeans in die Hände fiel, war die Sache klar.


Da der Rock in der Taille getragen wird, streckt er die Figur schön. Und mit Gürtelschlaufen bietet er zusätzlich die Möglichkeit den Look durch einen Gürtel aufzupeppen. Gürtelschlaufen empfinde ich inzwischen generell als einen großen Pluspunkt bei Kleidungsstücken- egal ob an Rock, Kleid oder Hose, sie sind einfach praktisch.





Ein weiterer Pluspunkt sind für mich die Taschen. Ich gehöre zu denen, die ihr Handy immer in der Gefahrenzone "Potasche" unterbringen, und gerade, wenn ich es schnell irgendwo unterbringen muss, weil ich mich um den Zwerg kümmern muss, sind Taschen am Kleidungsstück unentbehrlich.
Ich habe mich entschieden die Taschen etwas höher zu setzen- die Empfehlung im Ebook ist, dass sie sich unterhalb der Passe befinden, Allerdings ist auch vorgesehen, dass man sie zu letzt platziert um die für die eigene Figur schmeichelhafteste Stelle zu finden. Die lag bei mir eindeutig leicht versetzt auf der Passe.


Kombiniert habe ich meinen Rock übrigens mit absoluten Lieblingsstücken. Die Stiefel habe ich schon seit ca 8 Jahren, und die gelbe Tasche stammt von meinen ersten Streifzügen zu H&M- ist also gute 15 Jahre alt und trotzdem noch immer ein Lieblingsstück. Bei meinem Projekt in Outfits zu denken und neue Stücke so zu nähen, dass ich sie gut kombinieren kann, möchte ich gleichzeitig versuchen, auch meine schon vorhandene Kleidung und geliebte Accesoires mit einzubeziehen. Durchs selbernähen habe ich gemerkt, wieviel Arbeit in Kleidungsstücken steht, und denke, sie sind es wert getragen zu werden, bis sie wirklich kaputt gehen. Die Bluse habe ich gebraucht von meiner Schwester übernommen, denn auch durch das Tauschen und weiterreichen getragener Kleidung kann man die eigene Garderobe auf nachhaltigem Weg verändern.


Rock: Schnitt "Jessy" von Piexsu gibt es hier, genäht aus bordeauxfarbenem Jeans vom Stoffmarkt.
Bluse: Second Hand
Stiefel und Tasche: aus alten Kollektionen von Street und H&M
verlinkt: RUMS

Mittwoch, 7. September 2016

Burda, ich? Und Gedanken zu Mode und Kultur


In den letzten Tagen habe ich mir immer wieder Gedanken um die Themen Mode, Kultur und die Bedeutung verschiedener Kleidungsstücke und Stile gemacht. Der Gedanke kam mir, weil ich ein Outfit im Gypsy-Stil nähen wollte. Schon seit einiger Zeit verfolge ich in einer internationalen Nähgruppe auf Facebook die Diskussion zum Ethnostil und der Verwendung von Mustern und Accessoires, die für verschiedene Gruppen von Menschen eine religiöse oder kulturelle Bedeutung haben. Erstmals konfrontiert war ich damit aber schon früher, wegen eines modischen Missverständnisses mit meinem Mann, kurz nachdem ich ihn kennengelernt hatte.


Damals hatte ich ein Schmuckstück mit einer kleinen Muschel und verschiedenen Rocailleperlen in grün, rot, gelb und türkis. Er hatte mir gerade etwas über die kubanische Kultur erklärt, und die Bedeutung von Religionen. Er kommt aus einer Gegend, in der die Yoruba-Kultur eine große Bedeutung hat, sah dieses Schmuckstück, eigentlich Tant, den ich aus dem Urlaub hatte, und sagte "Oh, du hast auch einen Santo?" Denn was ich am Strand für ein paar Euro als Andenken gekauft hatte, war für ihn ein Hinweis, dass eine Art Priester den zu mir passenden Heiligen der Religion ermittelt hatte, die sein Leben lang in seiner Umgebung praktiziert wurde.


Mir war diese Situation damals unglaublich peinlich. Nach genauerem Untersuchen sah er natürlich auch, dass es nicht "echt" war, aber ich hatte ein schlechtes Gewissen so leichtfertig mit einem kulturellen Symbol umgegangen zu sein, denn anders als bei Kreuzen, dem Halbmond oder dem siebenarmigen Leuchter, die wohl in den meisten Ländern mit Religion verknüpft werden, war mir nichtmal die Bedeutung der Muscheln und Perlen bewusst.


Diese Gedanken kommen mir immer wieder, einerseits dann, wenn ich die Diskussionen über die Muster auf Waxprint-Stoffen oder die angesagten "Ikat"-Muster sehe (Und auch ich liebe diese Muster, Stoffe und Farben, und natürlich verwende ich sie, aber ich versuche es nicht ganz so leichtfertig zu tun), aber auch wenn Begriffe wie Ethno, Afro oder Gypsy verwendet werden.
Ich versuche mir klar zu machen, wie ich mich fühlen würde, wenn jemand Symbole meiner Religion in ähnlichem Maße verwenden würde um sich modisch zu profilieren.
Bis zu einem gewissen Punkt finde ich das völlig ok. Wenn ein Stoff einen Print mit Kreuzen hat, Popstars Rosenkränze tragen oder man Madonnenbilder wegen ihrer schönen Farben aufhängt statt wegen ihrer Bedeutung- alles kein Problem für mich!


Ins Grübeln kam ich aber, als bei einem Schnitt den ich vor einiger Zeit Probegenäht habe, ein Bild aufs Cover kam, auf dem ein Mädchen mit knappem, bauchfreiem Top einen indianischen Kopfschmuck trug. Wie würden wir es finden, wenn eine Frau leicht bekleidet den Schleier einer Nonne tragend, für ein Schnittmuster werben würde? Ich glaube, viele finden das ok, aber es gibt auch diejenigen, die sich dadurch beleidigt fühlen, die das Gefühl bekommen, dass ihr Glaube nicht respektiert wird, wenn sie soetwas sehen.


Diese Gedanken haben mich davon abgebracht, mein Komplettes "Gypsy"-Outfit zu nähen. Klar, zu meiner Bluse hätte ich einen langen Rock anziehen und mir ein Kopftuch umbinden können, ich hätte große Creolen tragen und meine Augen komplett schwarz schminken können, aber ich war nichtmerh sicher was "Gypsy" wirklich ist, und was das Klischee, das die Mode daraus gemacht hat. Und ich wollte niemanden verletzen.


Mein Oberteil könnte sicher auch unter dem Stichwort "Boho" eingeordnet werden, dann wäre alles politisch Korrekt und ich hätte mir die Gedanken sparen können, aber vielleicht regt es den ein oder anderen von euch ja auch an nachzudenken, denn ich finde, ein wenig Rücksichtnahme und Respekt, und ein etwas offenerer Blick kann auch in der Mode nicht schaden, auch wenn sie alles darf.


Mit diesem Schnitt habe ich mich übrigens nach langer Abstinenz wieder an einem Burds-Schnitt versucht. Der Carmenbluse aus der Burda Easy Frühjahr/Sommer 2016. Sie ist, wie bei mir leider fast immer, wenn ich nach Burda- Schnitten nähe, nicht ganz so geworden wie auf den Fotos- im Vergleich ist sie viel zu weit, aber ich finde sie mit einem engen Unterteil trotzdem stimmig. Für die Spitzen mussten zwei Platzdeckchen vom Flohmarkt dran glauben- aber die Spitze war einfach zu schön um sie liegen zu lassen... Und eine neue Liebe habe ich auch entdeckt: Die bedruckten Gummibänder! Ich glaube, ich muss unbedingt noch verschiedene Muster nachbestellen, sie ließen sich toll verarbeiten und sind ein weit schönerer Hingucker, als unsichtbare "normale" Gummis. Daraus ergab sich auch die nennenstwerteste Änderung vom Originalschnitt, denn ich habe auf Tunnelzüge verzichtet, um an der eher schlichten Bluse diese Highlights zu setzen.


Bluse: Modell 3 aus Burda Easy F/S 2016, Flamé-Jersey von Butinette, "Woven-Ribbon" Gummiband von Räuberfloh, Spitze vom Flohmarkt
Hose: "Skinny Jeans" von Sewera aus Dark Denim von Stoffhandel Caplan
verlinkt: MemadeMittwoch, After Work Sewing, Mittwochs Mag ich