Donnerstag, 23. Februar 2017

Kitty Cat- Marla von Kreativlabor Berlin


Im Rahmen unserer Kooperation hat mir Julia von "Krativlabor Berlin" letztes jahr auch den Schnitt "Marla" zugeschickt. Jetzt, wo es hoffentlich bald Frühling wird, war es für mich an der Zeit, meinen Bestand an Shirts und Tops durchzugehen und für kaputte, aussortierte Teile Ersatz zu schaffen. Genau der richtige Zeitpunkt Marla aus dem Dornröschenschlaf zu befreien und auf Herz und Nieren zu testen.


Marla kann, wie es bei Julias Schnitten eigentlich immer ist, in mehreren Varianten genäht werden. Für mich ist das immer ein großer Pluspunkt, denn eine Variation eines Schnittes zu nähen, den ich schon im Schrank habe, bedeutet meistens, dass ich schnell ein Ergebnis habe. Außerdem heißt es, dass ich nicht erneut das Schnittmuster kleben muss, und, und das ist letztlich das wichtigste, keine Enttäuschungen bei der Passform erlebe.
Die möglichen Varianten des Schnittes sind grundsätzlich in zwei Aspekten zu unterscheiden. Der Ärmellänge und der Gestaltung des Vorderteils. Es ist möglich lange oder kurze Ärmel zu wählen – eine winterliche Marla ist also genauso möglich wie eine sommerliche. Beim Vorderteil kann man unterhalb der Passe mit einer Raffung eine verspielte Optik schaffen, oder diese weglassen um ein schlichtes Shirt mit Knopfleiste zu erhalten. Durch Details wie Kragen oder Schulterriegel lässt sich das Shirt dann noch weiter individualisieren.


Ich habe mich entschieden die kurzärmlige Version mit Raffung und Kragen zu nähen. Dadurch ergibt sich eine Art verspieltes Poloshirt. Durch den leichten Jersey den ich gewählt habe, wirkt mein Shirt luftig und sommerlich, und ich bin ganz verliebt in den Stoff mit den Kätzchen!

Dass die Nahtzugaben im Schnitt schon enthalten sind, und es viele Knipse gibt, die beim Ausrichten der Schnittteile aufeinander helfen, ist der Zuschnitt schnell und einfach zu erledigen. Auch das Zusammenkleben und Ausschneiden des Schnittmusters geht sehr bequem, da es sich um Einzelgrößen handelt, und somit keine verwirrenden Linien die Arbeit erschweren (Natürlich bekommt man beim Kauf des Ebooks alle angegebenen Größen, wenn sich die Kleidergröße mal ändert, muss man den Schnitt nicht erneut kaufen!).

Trotzdem habe ich dieses Mal mehr Kritikpunkte, als normalerweise bei den Schnitten von Kreativlabor Berlin anfallen:
Mich haben die Sprünge zwischen der Version mit Kragen und der Version mit Einfassband etwas irritiert. Es ist so, dass die Grundlegenden Schritte erstmal an Hand der eingefassten Version erklärt werden. Wenn das Einfassband angenäht werden muss, findet sich auch ein Hinweis, dass dieser Schritt für die Kragenversion entfällt, und auf welcher Seite es mit dem Kragen weitergeht. Die Arbeitsschritte laufen hier jedoch nicht völlig parallel, denn an der Stelle, an der der Sprung zur Kragenanleitung erfolgt, sind die Knopfleisten noch nicht angenäht, während sie da, wo es mit dem Kragen weitergeht, schon am Shirt sind. Wenn man, durch den Hinweis auf die Version mit Kragen nach vorn geblättert hat, muss man nun also zurück, um erst den Schritt zum Annähen der Knopfleisten auszuführen. Hier hätte ich mir einen kurzen Hinweis wie "überspring die Schritte x bis y und mache mit dem Annähen der Knopfleisten (Schritt Z) weiter. Anschließend blätterst du vor um den Kragen nach Anleitung anzunähen." gewünscht.


Auch die Technik mit der der Kragen angenäht wird, war für mich schwierig. Hier kann die Ursache sein, dass ich es gewöhnt bin einen Kragen wie bei einer Bluse so anzunähen, dass die Nahtzugabe innerhalb des Kragens liegt. Dabei wird dieser erst einlagig innen angenäht, bevor man ihn mit eingeklappter Nahtzugabe von außen feststeppt. Wer diesen Weg vor Augen hat, muss für Marla umdenken und den Kragen in einem Schritt annähen und anschließend absteppen. Generell eine einfachere Lösung und, mit den zwischen den Kragenhälften liegenden Knopfleisten, einfacher um einen sauberen Abschluss zu bekommen, für mich allerdings ungwohnt, sodass es mir nicht so leicht von der Hand ging.


Insgesamt bin ich trotzdem sehr zufrieden mit meinem neuen Shirt und kann das Ebook ohne Bedenken weiterempfehlen. Die Bilder sind aussagekräftig und die Erklärungen angenehm kurz und trotzdem präzise, sodass auch Anfänger mit dem Schnitt zurechtkommen sollten.


Premiere war es für mich, die geschlossenen Jersey-Druckknöpfe von Snaply zu benutzen. Bisher hatte ich nur die Ringdrücker verwendet, die aber an einem solchen Shirt für meinen Geschmack zu légèr gewirkt hätten. Knopflöcher und echte Knöpfe versuche ich, die es beim Nähen oft etwas eilig hat, aber immer zu vermeiden, wenn ich eine optisch ansprechende Alternative finde. Das ist mir mit diesen neuen Jersey-Druckknöpfen denke ich gelungen. Sie vereinen die schöne Optik, die man sonst bisher nur bei Kamsnaps und teuren bedruckten Jerseydrückern bekam, mit den praktischen, für Jersey und andere Maschenware geeigneten Zähnen Durch diese wird ein Außreißen des Knopfes im Elastischen Material verhintert.
Zum Anbringen habe ich die Variozange von Prym verwendet, die ich auch für die Ringdrücker verwende. Die einzige, minimale Schwierigkeit gegenüber den offenen Knöpfen ist, dass man durch die geschlossene Kappe die Markierung auf dem Stoff nicht exakt ausrichten kann. Da kommt es  aber auf 1-2 Millimeter glücklicherweise nicht an, wenn sich das Material durch Dehnung etwas anpassen kann.


Schnitt: Shirt Marla von Kreativlabor Berlin gibt es hier
Stoff: feiner Jersey mit Katzenprint von Stoffhandel Caplan über die Facebookgruppe "Stoff Kamera Liebe"
Verlinkt: Rums



Montag, 20. Februar 2017

Selber nähen-lohnt sich das?

kostenloses CC0 Bild von Pexels

Ich möchte heute versuchen eine Frage zu beantworten, die mir- und wahrscheinlich allen die ihre Kleidung weitgehend selbst nähen- immer wieder gestellt wird.

Lohnt es sich, Kleidung, für sich oder die Familie selbst zu nähen?

In unserer Gesellschaft bedeutet "lohnen" in der Regel, dass man Geld spart oder Geld bekommt. Trotzdem lässt sich nicht pauschal sagen, "Ja, ich spare Geld gegenüber dem Kauf von Kleidung!" Oder "Nein, ich gebe mehr Geld aus wenn ich meine Kleidung nähe, als wenn ich Kleidung kaufe.".
Dafür müssen erst grundlegende Ansprüche an die Kleidung definiert werden, denn Kleidung, egal ob selbst genäht oder gekauft, ist nicht gleich Kleidung.

Ich habe im letzten Jahr meinen Verzicht auf gekaufte Kleidung begonnen, sodass ich, zumindest für mich, nach einem Jahr eine Bilanz zu dem Thema ziehen kann.
Insgesamt habe ich im vergangenen Jahr mehr Geld für meine Kleidung ausgegeben, als ich es getan hätte, wenn ich meine Kleidung bei den Bekleidungsketten gekauft hätte, die ich früher besucht habe. Trotzdem habe ich gespart.

Wie geht das?


Ich habe meinen Verzicht auf gekaufte Kleidung nie als eine Möglichkeit gesehen Geld zu sparen, sondern begonnen, weil ich meine Ansprüche an Kleidung überdacht und verändert habe. Ich lege nicht primär Wert darauf, dass die Kleidung modisch, günstig oder leicht zu haben ist. Ich lege Wert darauf, zu wissen woher meine Kleidung kommt, kleine Unternehmen zu unterstützen, nicht in Massen, sondern bewusst und möglichst langlebige Kleidung anzuschaffen, und bewusst die gängigen Praktiken in der Bekleidungsproduktion nichtmehr zu unterstützen.
Wenn ich diese Ansprüche auf gekaufte Kleidung übertrage, würde ich vermutlich wenige, besonders hochwertige Teile kaufen, die in Handarbeit oder zumindest in Deutschland produziert wurden, entweder von einem kleinen Handmade-Label, oder zumindest zu Mindeslohn für die Näher/innen. Zum Kaufen würde ich mir dann wohl einen kleinen Laden in der Umgebung suchen, der transparent mit der Herkunft und den Details über die Herstellung seiner Waren umginge.

Klingt teuer? Wäre es sicher, und genau das ist der Grund, warum ich immernoch gespart habe, obwohl ich mehr Geld ausgegeben habe als beispielsweise im Jahr davor. Denn hätte ich mit diesen Ansprüchen eingekauft, wäre ein T-Shirt auch nicht für acht Euro zu haben gewesen.

Es bedeutet aber auch, dass ich nicht aus den günstigsten erhältlichen Materialien genäht habe, und auch nicht immer zum günstigsten Preis einen Stoff gekauft habe, sondern eben manchmal bei den kleineren Händlern für ein paar Euro mehr, weil ich die Beratung mag, den Service, dass sie auf Nachfrage Fotos schicken, auf denen mein Wunsch-Stoff mit mehreren Kombinationsmöglichkeiten zu sehen ist, aus denen ich mir dann nicht auf gut Glück sondern mit dem guten Gefühl, dass meine Stoffe sicher zusammenpassen werden, den richtigen aussuche.

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 Sparen durch selber nähen? Das geht!

Wenn ich alle diese Aspekte außer Acht lasse, und beim Stoff wirklich nur nach dem möglichst günstigen Preis kaufe, dann kann ich tatsächlich Geld sparen. Eine Voraussetzung, die ich generell für meine Argumentation in diesem Beitrag gemacht habe gilt aber weiter: Ich darf mich dabei nicht als Dienstleister meiner Familie verstehen, der einen Stundenlohn erhält, ich betrachte den Bedarf an Kleidung dann genau wie den Bedarf an Essen, das gekocht werden muss. Daran, dass die Wohnung geputzt und die Wäsche gewaschen wird. Vor ein paar Jahrzehnten war es tatsächlich noch normal, dass Kleidung, vorallem für Kinder, von der Hausfrau oder der Oma gefertigt wurde. Dass wir inzwischen bevorzugt Kleidung kaufen ist der Zeitersparnis geschuldet, und man könnte es damit vergleichen, wenn wir statt selbst zu kochen irgendwann ausschließlich essengehen oder beim Bringdienst bestellen würden.

Und trotzdem bleibt es eine ganz individuelle Rechnung:


Ich habe früher meistens bei H&M, C&A und Ernstings Family Kleidung gekauft. Wenn ich ein Kleid oder eine Jeanshose zum Vergleich heranziehe, liegen diese in diesen Ketten zwischen 20€ und 40€- nicht ausgeschlossen, dass es auch günstigere gibt, ich lege zu Grunde, was ich dort normalerweise bezahlt habe.
Für Stoffe zahle ich zwischen 10€ und 20€ pro Meter.
Wenn ich bei einem Jeansstoff, der oft etwas teurer als der Jersey oder die Viskose ist, die ich für Kleider benutze, 1,5 Meter kaufe, mein durchschnittlicher Bedarf für Jeans oder Kleider, liege ich also bei ca 23€. Natürlich ist das nicht alles an Material. Man kann eine Jeans unterschiedlich aufwendig nähen. Wenn ich aber auf Nieten und Ziergarn verzichte kommen noch knapp 1,20€ für Garn, ein Bischen für Strom und ein geringer Anteil für die Wartung meiner Nähmaschine hinzu. Ich würde meine Jeans also bei ca 25€ ohne meine Arbeitszeit einstufen. Bei einem Kleid komme ich auf 15€-20€ und aus einem Meter Jersey bekomme ich 2 einfache T-Shirts, liege also bei ca 6€. Wenn man Glück hat, und keinen Zeitdruck, kann man durch Stoffe von Stoffmärkten oder aus dem Ausland sogar noch günstigere Materialien kaufen.
Noch günstiger wird es bei Kinderkleidung, wo aus einem Meter Stoff mehrere Hosen oder Pullover entstehen, natürlich abhängig von der Größe.

Ich würde aber sogar noch weiter gehen, als nur die Kleidung, die ich nicht kaufe in den Vergleich einzubringen. Ich nähe gerne. Es ist für mich eine Entspannungsmöglichkeit- dafür bezahlen andere in Wellnesshotels oder für Yogastunden. Es ist für mich ein Hobby, in das das Geld fließt, dass ich vorher in andere Hobbies, wie lesen oder kochen investiert habe. Wenn ich diese Positionen mit einbeziehe habe ich tatschlich eine größere Spanne der Ersparnis.

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Lohnt sich nur etwas, durch das man Geld spart?

Ob es sich für mich lohnt meine Kleidung oder die meiner Familie selbst zu nähen, ist für mich, im Gegensatz zu vielen, die die Frage stellen, zweitrangig. Für mich ist das Nähen primär dazu da, meine Überzeugung bezüglich der Wertschätzung von Kleidungsstücken, meine Individualität und meinen Drang danach, etwas zu erschaffen in sinnvolle Bahnen zu lenken. Kleidung verbraucht sich eben schneller, als Möbel und geht weniger auf die Hüften als wenn ich viel koche oder backe (und anschließend natürlich auch esse). Der größte Lohn den ich aus dem Nähen ziehe ist daher eine sinnvolle Zeitbeschäftigung, die in Werken mündet, die mich gleichzeitig erfreuen und nützlich sind. Es gleicht mich aus. Es hilft mir meine Gedanken zu sortieren und abzuschalten. Und gleichzeitig erweitert sich mein Wissen über Materialien, Techniken und Werkzeuge. Ich lerne und habe Spaß dabei. Natürlich könnte ich auch ein Buch über Stoffe lesen, aber schon Goethe sagte:

 "Wir behalten von unseren Studien am Ende doch nur das, was wir praktisch anwenden."

Was ich nur unterschreiben kann.

Alle  in diesem Beitrag verwendeten Bilder sind kostenlose, CC0 lizensierte Stockfotos von Pexels

Donnerstag, 16. Februar 2017

But first Coffee! Schneehase: Fingerhandschuhe selber nähen

Schneehase von "die wilde Matrossel" selbstgenähte Fingerhandschuhe für Damen

Seit ihr auch solche Kaffeetanten wie ich? Ohne Kaffee geht nichts bei mir! Mein Tag beginnt mit einer Tasse- manchmal gemütlich bevor der Zwerg aufwacht, oder beim Frühstuck mit ihm und dann noch eine beim Bringen in der Krippe. Und manchmal, da muss ich einen besonderen Kaffee haben und trinke ihn in einem schönen Café in der Stadt. Glücklicherweise hat Hannover einige zu bieten.

Schneehase von "die wilde Matrossel" selbstgenähte Fingerhandschuhe für Damen

Eine Tasse Kaffee ist für mich aber auch der perfekte Start in eine neue Aufgabe. Wenn ich ein Ebook noch nie genäht habe, nehme ich mir als erstes eine Tasse Kaffee und lese mir gemütlich die Anleitung durch. Wenn ich eine To-Do-Liste schreibe, steht eine frisch gebrühte Tasse neben mir, und an der Nähmaschine habe ich sie immer in Reichweite. Und wenn ich, wie heute, erst am Abend einen Beitrag schreibe, muss ich mich zwingen nicht erstmal Kaffee zu kochen, denn um diese Zeit würde er sich auch auf meinen Schlaf negativ auswirken.

Schneehase von "die wilde Matrossel" selbstgenähte Fingerhandschuhe für Damen

Dieses kleine Ritual, über die heiße Flüssigkeit zu pusten, einen ersten vorsichtigen Schluck zu nehmen und zu testen, ob er zum Trinken schon weit genug abgekühlt ist, das hilft mir, meine Gedanken zu sammeln und mich zu fokussieren. Und es gibt Aufgaben beim Nähen, bei denen Konzentration wichtiger ist als bei anderen. Solche, die neu sind, wenn man etwas näht, dass man vorher nie genäht hat und wo alle Abläufe unbekannt sind, und solche, die etwas kniffeliger sind als ein einfaches Shirt- zum Beispiel weil man viele Teile hat, die vielleicht sogar ähnlich aussehen.

Schneehase von "die wilde Matrossel" selbstgenähte Fingerhandschuhe für Damen

Ein Bischen von beidem kam zusammen, als ich die Handschuhe "Schneehase" für "Die Wilde Matrossel" getestet habe. Handschuhe sind, wegen der Form, eine Herausforderung an das räumliche Vorstellungsvermögen. Auf Grund der schmalen Strukturen ist es eine Frage von Übung und Geschick an der Nähmaschine und viele ähnliche Teile sind es auch. Eine Aufgabe die zu bewältigen ist, aber nicht zwischen Tür und Angel!

Fingerhandschuhe selber nähen: Schneehase von "die wilde Matrossel"

Ich habe meine Herausforderung noch etwas erhöht und mich nicht für den einfachsten Stoff entschieden. Da sich die Handschuhe sehr gut zum Verarbeiten von Resten eignen, habe ich zu dem roten Folienjersey gegriffen, den ich letztes Jahr schon für meine "Bonnie"-Shorts verwendet habe (hier). Er ist in Jaquard-Struktur gefertigt und mit einer Folie beschichtet. Dadurch hat er die Elastizität eines Jaquardjerseys, ist aber winddicht, was ihn wärmer macht, und hat eine edle Optik wie Leder.
Leider rutschen die Stofflagen durch die Beschichtung etwas hin und her, was für schmale Teile mit wenig Nahtzugabe etwas anstrengend sein kann.

Fingerhandschuhe selber nähen: Schneehase von "die wilde Matrossel"

Als Hingucker habe ich zwei alte Knöpfe mit dem gleichen Stoff bezogen. Sie waren von einem alten Mantel übrig und ich hatte nicht erwartet, dass ich sie wirklich nochmal verwenden würde. Sie passten von der Größe aber so wunderbar, dass kein anderer Knopf in Frage kam. Ich sammel alte Knöpfe immer, weil es mir ein schlechtes Gewissen macht zu viel wegzuwerfen, das ich vielleicht doch irgendwann wieder benutzen kann. Was für ein Glück, dass diese Idee manchmal aufgeht und nicht nur zu Materialbergen in meinem Nähzimmer beiträgt.

Fingerhandschuhe selber nähen: Schneehase von "die wilde Matrossel"

Müllvermeiden ist für mich ganz ungeplant und unbewusst seit Anfang des Jahres ein großes Thema geworden. Noch immer haben wir viel zu viel Müll, aber die Wattepads sind inzwischen ausgetauscht gegen Micorfaserpads (hier hatte ich sie euch vorgestellt) und endlich ist die Tassimo- Maschine Geschichte und ich bin stolze Besitzerin von Kaffeemühle und Siebträgermaschine und habe den alten Porzellanfilter meiner Oma wieder herausgesucht und brühe meinen Kaffee morgens frisch- und er schmeckt auch direkt viel besser!

Fingerhandschuhe selber nähen: Schneehase von "die wilde Matrossel"

Ich freue mich jetzt richtig, morgen meinem kleinen Ritual zu folgen und beim Frühstück erstmal eine Tasse Kaffee zu genießen und durch die neusten Blogbeiträge zu stöbern. Dieses Mal nicht in Hannover, sondern in Köln! Was ich da so treibe will ich euch natürlich nicht vorenthalten, also:
Stay tuned! (but first: Coffee!)

Fingerhandschuhe selber nähen: Schneehase von "die wilde Matrossel"

Schnittmuster "Schneehase" von "die wilde Matrossel" gibt es hier
Stoff: Folienjersey von Stoffideen Hannover
Verlinkt: Rums, die "Wilde Matrossel Linkparty"

Dienstag, 14. Februar 2017

DIY waschbare/feuchte Abschminkpads selber nähen

Abschminkpads und Gesichtsreinigungspads selbermachen

Eine nicht ganz neue Idee, aber eine, die mich aus Gründen des Bedarfs gepackt hat, ist es, Abschminkpads selbst zu nähen.
Mich plagte es nämlich in letzter Zeit, das schlechte Gewissen. Zu viel Müll, zu viel, was zum ganz schnellen Verbrauch ist, für bloße Bequemlichkeit... Windeln, Feuchttücher, Wattepads...

Ich gebe zu, ich bin (und bleibe) ein bequemer Mensch. Ich möchte keine Stoffwindeln benutzen (Ich komme so schon kaum gegen die Wäsche an, und habe mehrere Maschinen täglich), und ich möchte aus dem gleichen Grund auch nicht von Feuchttüchern zu Waschlappen oder wiederverwendbaren Feuchttüchern wechseln. Aber es ist gut, wenn man Kleinigkeiten verändert, die trotzdem große Wirkung haben. Für den einen ist es vielleicht der Verzicht auf den Coffee to go im Pappbecher (ich habe noch nie eine Ablehnung erfahren, wenn ich darum gebeten habe meinen mitgebrachten Becher zu füllen), andere verzichten auf Fleisch (das habe ich auch mal, 6 Jahre lang, aber dann ging es mir nicht mehr gut damit) und wieder andere kaufen vielleicht keine Kleidung mehr (das halte ich momentan durch, aber es ist natürlich nicht gesagt dass das für immer ist). Generell finde ich es toll, wenn man sich für einen Bereich entscheidet in dem man etwas tut, weil es die Umwelt, das Leben von Menschen oder das von Tieren, ein kleines Stück weniger belastet, wenn man umdenkt. Besonders gut finde ich, wenn man nicht belehrend oder missionierend wird, denn jemand anderes hat vielleicht seine Nische nicht im gleichen Bereich wie man selbst gefunden. Akzeptiert, dass die Beiträge die andere leisten zwar vielleicht nicht zur eigenen Überzeugung passen, aber dennoch wertvoll sind.

Abschminkpads und Gesichtsreinigungspads selber nähen

Mein Umdenk-Bereich ist momentan mein Badezimmer. Mir gefällt es nicht, in welch rasendem Tempo sich der Mülleimer dort füllt. Nicht nur mit Zahpasta-, Duschgel- und Shampoo- Tuben und Flaschen, sondern mit Wattepads, Gesichtsreinigungstüchern, Wattestäbchen und Co.
Es gibt Dinge, die sind sehr leicht zu ersetzen- beispielsweise Tampons oder Binden durch eine Menstruationstasse- zwei klicks weg und schon etwas für die Umwelt und die Gesundheit getan. Es gibt Dinge, die eigentlich überflüssig sind, und bloß die reine Bequemlichkeit unterstützen, denn Gesichtsreinigung bedarf nicht zwingend einem feuchten Tuch, das anschließend in den Mülleimer wandert, sondern kann mit einem Waschlappen oder mit dem passenden Produkt auch direkt unter der Dusche geschehen. Wäre da nicht der innere Schweinehund, der sich ohne jegliche Kompromissbereitschaft auf dem Sofa der Bequemlichkeit räkelt. Schließlich ist es ein Handgriff mehr, wenn man den Waschlappen nass machen muss, als wenn man nur ein Tuch aus einer Packung zieht....

Anleitung zum Selbermachen: Abschminkpads und Gesichtsreinigungspads

Ich habe für mich einen Kompromiss gesucht zwischen Bequemlichkeit und Umweltbewusstsein. Der erste Schritt war, dass ich mir bei Amazon Microfaserwaschlappen für Babys bestellt habe. vergleichsweise günstig, und eine große Packung. Eigentlich optimal zum direkten Verwenden. Nachdem ich es ausprobiert hatte, gefiel mir aber die Größe nicht. Zum Abschminken geht es noch ganz gut, aber um Gesichtswasser oder Makeupentferner zu verwenden waren sie mir zu unhandlich. Und ich wollte den Bequemlichkeitsfaktor. Daher kommt hier mein Tutorial für selbstgemachte, waschbare, feuchte Abschmink- und Gesichtsreinigungspads.


 Tutorial

 

Das brauchst du:

 

Material für Mikrofaser Abschminkpads

Mikrofaser Kosmetiktücher* (oder Frottee, Baumwolljersey oder Sweat-Stoffreste)
Pappe
Stift für Papier
Wattepad
Stoffmarker
Schere, evtl eine weitere für Stoff

außerdem:
Overlock- oder Nähmaschine mit passender Nadel und Garn
Frischhaltedosen oder kleine verschließbare Gläser, Durchmesser passend für Wattepads
Makeupentferner
Gesichtswasser

1. Anfertigen der Schablone:

 

Wattepad-Schablone erstellen

Zeichne mit deinem Stift die Form eines Wattepads auf die Pappe. Ich habe das Wattepad hierfür als Schablone benutzt. Um es direkt auf die Mikrofasertücher zu zeichnen war es mir zu instabil.



Wattepad-Schablone erstellen

Anschließend schneidest du dir die Pappschablone aus.


2. Der Zuschnitt:

 

Mikrofaserpads nähen

 Übertrage mit Hilfe des Stoffmarkers die Schablone auf das Mikrofasertuch. ich empfehle einen Trickmarker, der auswaschbar ist, und ohne Druck auf dem Stoff zeichnet, da schon bei leichtem Druck der Stift in den Fasern verhakt

Mikrofaserpads nähen

Versuche möglichst viele "Pads" auf einem Tuch anzuordnen, um materialsparend zu arbeiten.

Mikrofaserpads nähen

Nun schneidest du die Pads aus, ich habe keine Nahtzugabe dazu gegeben, da ich sie nur versäubernd vernähe.

3. Nähen und Fertigstellen:

 

Mikrofaserpads nähen

Lege immer zwei der Kreise aufeinander, und nähe sie mit einer Naht rundum zusammen. Einlagig werden die Pads zu dünn!
An der Overlock achte darauf, dass du nur minimal an den Kanten abschneidest.
An der Nähmaschine wird der Zickzackstich eingestellt und dann knapp entlang der Kante rund um das Pad genäht.
Die Nähte werden zu Beginn und am Ende gesichert- an der Nähmaschine durch vor und zurück nähen, an der Overlock durch einziehen der Fadenraupe in die Naht.


Geschafft- mit dem Nähen bist du fertig! Jetzt noch die Vorbereitung als Feuchte Pads für alle, die genauso bequem wie ich sind:


Feuchte Gesichtsreinigungspads zum Abschminken aus Mikrofaser

Gib deine Pads in verschließbare Dosen oder Gläser. Anschließend gibst du Gesichtswasser beziehungsweise Makeupentferner direkt auf die Pads. Nur so viel, dass sie nicht zu nass sind! Nun wird die Dose verschlossen und die Pads sind bereit für ihren Einsatz. Ich bereite mir immer Pads für eine Woche vor. Länger als 10 Tage würde ich sie nicht feucht lagern, wenn sie nicht mit Flüssigkeit bedeckt sind, da sich sonst Bakterien darauf bilden könnten.

Feuchte Gesichtsreinigungspads zum Abschminken aus Mikrofaser


Hinweise zu Mikrofaser:

Wenn ihr wie ich aus Mikrofaser genäht habt, gelten die folgenden Pflegehinweise, damit ihr lange etwas von euren Pads habt:
Mikrofaser kann man sich als eine Spirale vorstellen, in der sich Schmutz, Fett, Makeup und was wir von unserer Haut noch entfernen wollen, festhalten, bis sie in der Wäsche wieder herausgespült werden. Dadurch kann Mikrofaser sehr viel Schmutz oder Flüssigkeit aufnehmen.
Leider besteht Weichspüler aus kleinen Kunststoffkügelchen, die sich genau in diese Spirale setzen und sie dauerhaft verstopfen. Daher darf Mikrofaser nie mit Weichspüler gewaschen werden. Wer nicht auf das Gefühl verzichten möchte, kann stattdessen einen Schuss Essig ins Weichspülerfach geben (riecht man hinterher auch wirklich nicht!)
Die meisten Mikrofasertücher sind bis 60 Grad waschbar. Sofern es nicht anders angegeben ist.
Da Mikrofaser auch Staub sehr gut bindet, empfehle ich zum Waschen ein Wäschesäckchen zu verwenden, damit die Pads frei von Fusseln bleiben. Ich sammel meine gebrauchten Pads in einem solchen Säckchen, das in einer Dose hängt, sodass ich es am Ende der Woche nur herausnehmen, verschließen und direkt mit in die Waschmaschine geben muss.
Auf keinen Fall solltet ihr die Pads zum Entfernen von Nagellack nutzen, dieser lässt sich nichtmehr aus dem Pad entfernen, und damit hätte die Idee der nachhaltigen Pads ein trauriges Ende!


Verlinkt: Creadienstag, HOT, Dienstagsdinge

*Affiliate Link: Wenn du über diesen Link etwas einkaufst unterstützt du meine Arbeit, da ich eine geringe Vergütung dafür bekomme

Donnerstag, 9. Februar 2017

Grüner Januar


Der Januar- ein Monat der Neuanfänge und der Aufrufe zu großen Taten. Dieses mal trifft es für mich tatsächlich zu. Einer der Neustarts ist das Projekt "12 Colours of Handmade Fashion", zu dem Selmin vom Blog Tweed&Greet aufgerufen hat. Nachdem ich letztes Jahr nicht alle Projekte zu den zwölf Buchstaben geschafft habe, habe ich nun den Vorsatz, dieses Jahr alle 12 Monate ein passendes Stück zu schaffen. Die Farbe des Januars war grün, das ich (unsichtbar) im inneren meiner Jacke, und für die Akzente verwendet habe. Da meine Jacke Teil eines Probenähens war, konnte ich zwar nicht pünktlich zum 27. Januar meinen Beitrag verlinken, aber glücklicherweise bleiben die Linkpartys bei diesem Projekt auch über den Stichtag hinaus geöffnet.


Neu angefangen hat auch das Jahres Sew Along bei Fräulein An. Da mein Beitrag wegen des Probenähens in den Februar gerutscht ist, kann ich sie dort im Thema "gezipptes" direkt mit einbringen- Ganz unerwartet habe ich somit direkt die ersten beiden Monate in Folge bei diesem Sew-Along mitgemacht- dabei ist es erst verspätet in mein Sichtfeld gerückt. Dieser Aufruf kam nämlich erst im Laufe des Januars auf mein Radar. Sehr passend, denn die Reißverschlüsse an der Jacke sind ein besonderes Highlight für mich.


Auch zum Probenähen der Carja bei Miss Rosi wurde im Januar aufgerufen, und Strandguträuber hat mir den ersten Stoff zum vernähen überlassen: Den tollen Wildlederimitat Stoff, aus dem ich die Carja genäht habe.
Ganz schön viele Themen für einen Beitrag- und trotzdem versuche ich mein Glück, sie alle sinnvoll zu verknüpfen- Ob mir das gelingt?


Schon im letzten Jahr habe ich meine Liebe zu Sew-Alongs entdeckt. Einerseits, wegen der "12 letters of handmade fashion" und andererseits, weil mich die Themen des Me Made Mittwoch und mein Gewinn der "Taschenspieler 3" Cd von Farbenmix dazu inspirierten. Einmal der Sucht erlegen, hatte ich mir vorgenommen, mich in diesem Jahr mehr davon, als von Probenähen zu meinen genähten Werken inspirieren zu lassen. Warum? Probenähen lösen immer einen gewissen Zeitdruck aus. Momentan schaffe ich es aber kaum abends an die Nähmaschine und muss meine Zeit zur Entwicklung von Schnitten, für mein Studium, zum Treffen von Freunden (sofern es Ruhe bedarf) und für Haushalt und ähnliche Verpflichtungen mit der Nähzeit unter einen Hut bekommen. Daher habe ich für mich beschlossen, nur noch an maximal einem Probenähen pro Monat teilzunehmen. Bei anderen Stücken entfällt der Druck rechtzeitig Fotos abzuliefern und ich muss mich nur vor mir selbst rechtfertigen, wenn ich mich verspäte oder einmal aussetze.


Natürlich muss mich ein Schnitt wirklich begeistern, schon auf den ersten Blick, damit ich mein eines Probenähen pro Monat darauf verwende und mich dafür bewerbe. Und so ein auf den ersten Blick schon "geiler" Schnitt war für mich die Carja von Miss Rosi. Ich hatte eigentlich schon geplant eine Bikerjacke aus dem tollen Stoff zu nähen. Als ich die Bilder von "Carja" auf Janinas Blog entdeckte, musste ich aber kurzfristig umdisponieren- zu verlockend wurde für mich der Gedanke, ich könne diese Jacke probenähen und das Traumstöffchen dafür verwenden.... Und siehe da, ich durfte dabei sein.


Mich lockten vorallem die Details. Reißverschlüsse sind für mich nicht nur Möglichkeiten eine Jacke zu verschließen, sie sind gleichzeitig ein dekorativer Aspekt für mich. Ich weiß, vielen ist das Einnähen ein Graus, aber im Ergebnis lohnt es sich immer, finde ich. Ich habe neben dem Reißverschluss zum Verschließen der Jacke auch die Taschen mit Reißverschlüssen genäht. Ich stecke zu gern Schlüssel, Handy oder Kleingeld einfach in die Tasche, als das ich es riskieren könnte meine Taschen offen zu lassen. Auch in den unteren Teil der Ärmelnaht habe ich Reißverschlüsse eingesetzt. Hier habe ich, genau wie an den Taschen, Endlosreißverschluss verwendet. Ich hatte Rebecca von Strandguträuber gebeten mir farblich passende Kurzwaren zum Blumenstoff herauszusuchen, und es war eine tolle Überraschung: Nicht nur, dass sie mir neben dem Stoff auch Reißverschlüsse und Schrägband (sehen kann man es am Zipper des Reißverschlusses, sonst wird es bei Carja nur für sehr elegante Saumanbschlüsse verwendet) für die Carja zur Verfügung gestellt hat- die Zipper für den Endlosreißverschluss sind sogar besonders schön in der Form. Ich finde besonders an Kleidung die gerundete Form viel eleganter, als die eckigen, die man in den meisten Shops erhält.


Der Stoff, ich hatte es geahnt, stellte mich vor eine kleine Herausforderung. Er fällt wundervoll weich, ähnlich wie ein Viskosejersey, und fasst sich unheimlich gut an. Zudem ist er leicht elastisch. Für die Carja musste ich ihn versteifen, da der Schnitt einen Stoff mit etwas Stand benötigt- daher habe ich sie mit dem grünen Stretch, den ich auch für die Details verwendet habe, gedoppelt genäht. Ich denke, mit einer solchen Stabilisierung kann man sogar Taschen aus dem Stoff nähen, für die ich die Optik ebenfalls sehr schön finde.
Auch auf der Rückseite ist der Stoff wildlederartig. Mir kam das sehr entgegen, da er dadurch wunderbar auf dem unteren Stoff aufliegt- es ist aber genauso von Vorteil, wenn man einen Cardigan oder einen Schal daraus nähen möchte, weil es schön aussieht und sich toll anfühlt. Ich möchte mir aus den Resten des Stoffs unbedingt noch eine Mütze und einen Schal nähen- dann kann ich auch die Rückseite nochmal sichtbar vernähen- darum fand ich es bei diesem Projekt nämlich sehr schade.


Beigeistert hat mich, das die Blumen richtig leuchten. Auf dem ersten Bild, das ich von dem Stoff gesehen hatte, wirkten sie etwas matt. Ich habe mich bemüht die schönen Farbverläufe auf den Fotos einzufangen, und extra auf die Bearbeitung von Licht und Farbe verzichtet. Ich glaube nicht, dass es zum Nachteil der Bilder war- der Stoff braucht kein "Make Up" um zu wirken.
Vor dem flächigen Einsatz auf dem Rücken der Jacke hatte ich etwas Bedenken, dass es zu viel Muster sein könnte, ich denke aber, auch dass diese Sorge unbegründet war. Auch die Unterbrechung des Musters durch die Abnäher in der Jacke, tut der Wirkung keinen Abbruch.


Wollt ihr zum Ende noch meine beiden Highlights am Schnitt "Carja" wissen?
Ich liebe es, wenn ein Schnitt die figurlichen Vorzuge betont und die Nachteile kaschiert. Dank der Rundung unter der Seitennaht, lässt Carja die Beine viel Länger wirken, und die optische Streckung macht die Folgen der weihnachtlichen Schlemmerei fast unvergessen.
Mein zweites Highlight ist die Versäuberung des Saumes mit Schrägband. Diese Methode ermöglicht eine schnelles und  sehr ordentliches nähen des Saums, ohne dass sich etwas verzieht oder Falten durch die Rundungen entstehen. Ich habe es, weil es so bequem ist, direkt auch an den Ärmelsäumen zu machen. Und ich werde sicher die Technik für Fälle anwenden, in denen ich zu wenig Stoff habe um eine ordentliche Saumzugabe zu geben.


Schnitt: "Carja" von Miss Rosi gibt es hier
Stoff, Reißverschlüsse und Schrägband von Strandguträuber gibt es hier 
verlinkt: "12 colours of handmade fashion", Jahres Sew-Along bei Fräulein An, Rums

Dienstag, 31. Januar 2017

Kostenlose Strickanleitung Mütze "Tante Luwieschen"

Kostenlose Strickanleitung "Tante Luwieschen " ALT

So richtig persönlich wird es auf meinem Blog normalerweise nicht. Aber heute muss ich davon eine Ausnahme machen. Heute ist ein für mich und meinen Blog sehr wichtiger Mensch verstorben. Meine Großtante "Tante Luise".

Als Kind habe ich meine Ferien immer bei meiner Großtante verbracht. Es gab so viele tolle Dinge, die ich bei ihr erleben konnte. Alles war besonders für mich wenn ich bei Tante Luise war. Der Klang und Geruch von ihrem Kaffee, den sie in einer kleinen Kanne nach italienischer Art auf dem Herd zubereitete, die beste Bolognesesauce der Welt (sie hat mir irgendwann verraten dass das Geheimnis Weißwein und viel frisches Basilikum waren), frisch geriebener Parmesan- und der war damals, in den Neunzigern noch etwas, das nicht in jedem Supermarkt zu bekommen war, sondern wurde meist von ihrer jährlichen Reise nach Rom mitgebracht!
Bei Tante Luise wurden im Sommer die Brötchen auf der Außenfensterbank in die Sonne gelegt um sie wieder aufzubacken, es gab Scheiblettenkäse, Capri Eis und, das beste: Mascarpone unter der Marmelade aufs Brötchen.

Ich habe wirklich mehr Erinnerungen an die Ferien, die ich bei meiner Großtante verbracht habe, als an irgendwelche anderen Ferien.
Ein wichtiger Grund für mich, der es so attraktiv machte zu ihr zu fahren, war ihre Katze. Ein blauer Maine Coon Kater namens Hannibal, der mich genauso liebte wie ich ihn, und mit dem ich, immer im Kreis durch Küche, Wohnzimmer und Flur lief, mit einem Taschentuch an einem Wollfaden, ich vorweg und er auf der Jagt hinterher. Hannibal gab mir Küsschen und leckte Butter von meinem Finger, und brachte mir bei, dass Katzen einen eigenen Kopf, immer Hunger, wenig Respekt vor Sesseln und Bedarf an ausgiebigen Streicheleinheiten haben.
Hannibal schlief normalerweise auf den Füßen meiner Großtante. Wenn ich zu Besuch war, legte er sich zwischen unseren Zimmern auf den Flur Fußboden und bewachte uns beide. Er lag immer dort, wenn ich einschlief, aber auch, wenn ich nachts zur Toilette musste. Morgens gegen 6 ging er in Luises Zimmer und legte sich "ihr auf die Figur" wie sie immer sagte. Er weckte sie, indem er sich der Länge nach, mit den Pfoten rechts und links an ihrer Wange, auf sie legte.
Dann gingen wir zusammen mit Hannibal spazieren- er wurde an einer Leine, mit blauem Wildledergeschirr, durch den Hof und über die zugehörige Wiese geführt. Er wartete schon an der Tür, und bestimmte konsequent den immer gleichen Weg. Im Frühling wuchsen auf dieser Wiese Veilchen, die ich mit Begeisterung pflückte.
Neben dem Hof befand sich ein Nachbarsgarten mit einem Pfirsichbaum. Er trug im Sommer weiße Pfirsiche, und mit viel Glück konnten wir im Hof manchmal welche aufsammeln- ich kann mich nicht erinnern woanders nochmal einen tragenden Pfirsichbaum in Deutschland gesehen zu haben.
Abends guckten wir "Geh aufs Ganze" und "Das Glücksrad" bevor ich schlafen ging. Und dazwischen waren die Nachmittage. Festes Ritual war immer ein Spaziergang am Rhein und ein Besuch auf dem Friedhof. Dort erzählte sie mir von allen, die sie gekannt hatte, die dort lagen, und kümmerte sich um das Grab ihres verstorbenen Mannes. Ich beobachtete kleine Käfer, die über die Grabsteine huschten und wartete auf sie. Am Rhein pflückten wir manchmal ein paar wilde Rosen und stellten sie zu Hause in eine Vase.

Warum Tante Luise für meinen Blog eine große Bedeutung hatte

Von Tante Luise habe ich die Grundlagen gelernt, die mich zu diesem Blog geführt haben. Ohne sie hätte ich in diesem Jahr kein Gewerbe anmelden können, um meine Leidenschaft für Nadeln und Fäden zur Leidenschaft zu machen. Ohne sie hätte ich dazu keine Grundlage gehabt.
Tante Luise strickte mir immer tolle Pullover, auf die ich sehr stolz war, wenn ich sie im Kindergarten trug. Ich habe jeden korrigiert, der die Vermutung äußerte, meine Oma könnte sie gestrickt haben. Und natürlich lernte ich irgendwann von Tante Luise stricken- rechte Maschen in hellgelbem Garn, und ich schaffte ungefähr 10x15cm. Damals muss ich in der zweiten oder dritten Klasse gewesen sein.
Auch Häkeln habe ich von ihr gelernt. Und so konnte ich in der dritten Klasse mit einem Ballnetz im Handarbeitsunterricht glänzen und allen anderen zeigen, wie man es anfertigt. Nur sticken brachte sie mir ein Jahr zu spät bei- in der Schule klappte es garnicht, aber bei ihr verstand ich, als ich ihr mein Leid über die verdorbene Tragetasche klagte, sofort, worauf ich achten musste.
Bommel, Quasten, alles was ich mit Wolle kann, habe ich bei ihr gelernt und später verfeinert.

Auch mein Interesse für Mode hat seine Wurzeln in meinen Ferienaufenthalten bei ihr. Ich habe die Zeit, in der sie ihren Mittagsschlaf hielt, immer damit verbracht ihre Vouge und Elle durchzublättern und war fasziniert von den Bildern der Models auf dem Laufsteg. Ich saß auf einem kleinen Fußhocker an ihrem Couchtisch und war begeistert von dieser aufregenden Welt die in ihren Magazinen abgebildet wurde. (Meine Bravo steckte sie wegen der anrüchigen Bilder zu dieser Zeit immer in eine Vase im Flur. Sie konnte nicht verstehen, dass meine Eltern mir erlaubten sowas zu lesen.)

Nach einem solchen Ferienaufenthalt fuhr ich bepackt micht Schätzen (abschließbare Dosen, glitzernde Wolle, schöne Bänder und manchmal auch kleinen Anhängern für eine Kette, die sie für mich gesammelt hatte) und vielen Dingen, die ich gelernt und gebastelt hatte, nach Hause. Und ich hatte kölsche Vokabeln und Geschichten von ihr im Gepäck, und Schokolade, die ich bei ihren Freunden bekommen hatte- Frau Weiser und ihrem Mann, die direkt mehrere Katzen hatten, und die ich deswegen gern besuchte, und Frau Weiß, die schon sehr alt war und gegenüber in einem Hochhaus wohnte. Tante Luise kümmerte sich um alle, besuchte sie regelmäßig und half ihnen wenn sie etwas nichtmehr konnten.

Weil meine Tante Luise so einen großen Einfluss auf meine Liebe zu Handgemachtem und Mode hatte, möchte ich meine erste eigene Strickanleitung, für eine Mütze, die ich schon vor ein paar Jahren entwickelt aber nie verbloggt habe, mit euch teilen. Sie ist vielleicht nicht professionell oder ausgereift, die Fotos sind nicht besonders schön oder von guter Qualität, aber das ist heute egal.
Für mich ist es eine Möglichkeit meine Großtante zu verewigen, und das ist mir sehr wichtig.

Die Mütze "Tante Luwieschen"


Was du benötigst:
4,5er Nadeln und passendes Garn. Ich habe nie eine Maschenprobe gemacht, aber im Ergebnis passte die Mütze für alle erwachsenen Frauen, denen ich eine gestrickt habe.

54 Maschen aufnehmen. Dann in Reihen stricken. 


Stricke 6cm Bündchen: 1 abheben 1 rechts, 2 links, 4rechts bis zum ende der Reihe, Rückreihe nur rechte Maschen stricken.

Sind 6cm im Bündchen Muster erreicht wird nach jeder 5. Masche eine Masche aufgenommen, dann glatt links gestrickt. (  Das Bündchen wird durch umschlagen anschließend auf der Seite der rechten Maschen liegen...)
nach 18 cm für 6 Reihen jeweils jede 5.und 6. Masche zusammenstricken, dann jede 3. und 4. bis nur doch 8 maschen auf der Nadel liegen. a

Abketten und die Mütze mit einem Matratzenstich hinten zusammen nähen.


Verlinkt bei Creadienstag, Dienstagsdinge, HOT


Freitag, 27. Januar 2017

"Mutti-Bashing" und Stutenbissigkeit in der Kreativszene- Oder wie wär es mal mit "Gönnen-können"?


Momentan beschleicht mich wieder das Gefühl, dass es hochkocht, in der kreativen Welt. In den sozialen Netzwerken scheint sich wiederholt ein Schimpfwort zu etablieren, das eigentlich keins sein dürfte: MUTTER

Normalerweise gibt es diese Diskussionen über die grundsätzlich als "böse" und "schlecht" zu betrachtenden Menschen, die versuchen mit dem Hobby anderer Geld zu verdienen, phasenweise in ein bis zwei Gruppen auf Facebook, und dann flaut sie wieder ab. Momentan scheint sich diese Phase leider in vielen Gruppen, in denen ich bin, zur gleichen Zeit auf einem Höhepunkt zu befinden. In genug Gruppen, dass ich meinen Senf nun doch dazu gebe- und meistens halte ich mich bei diesen aufgeheizten Themen zurück.

Der Status quo

Das was ich aktuell häufig lese ist, dass "diese" Muttis alle "nachdem sie ihre erste Pumphose genäht haben, meinen, ihre Sachen verkaufen zu müssen" (Zitat nach einer Userin in der Facebookgruppe "Günstig Stoffe kaufen im Ausland"). Die Qualität der von Müttern in der Elternzeit gefertigten Stücke sei generell eher mies einzustufen, wie man jetzt festgestellt habe, wo man selber näht. Auf Nachfrage war man aber als man es kaufte noch zufrieden, denn da wusste man es nicht besser.
Alternativ wird in anderen Gruppen wiedereinmal der etablierte Vorwurf des Ideenklaus damit in Verbindung gebracht, dass "diese" Muttis nur auf Likes für ihre kleinen Seiten aus seien und dass sie sich in der Elternzeit wohl langweilen würden und nichts besseres zu tun hätten. Ohnehin wird davon ausgegangen, dass Frauen, die in der Elternzeit arbeiten oder sich selbstständig machen, zu blöd wären richtig Elterngeld zu kassieren, da ihnen ihre Gewinne letztlich gegengerechnet werden, und man mehr Elterngeld bekäme, wenn man nicht arbeitet.

Ich bin mir bewusst, dass ich hier die krassesten Aussagen zusammengestellt habe, nicht die, mit denen die Diskussionen beginnen, sondern die Meinungen, die weiter unten in der Liste der Kommentare mit vielen Likes und weiteren Antworten gefeiert werden. Ich möchte nichtmal unterstellen, dass die, die den ursprünglichen Beitrag geschrieben hatten, auf eine solche Diskussion und teilweise solche beleidigenden oder verletzenden Aussagen abgezielt, oder sie für möglich gehalten haben. Aber sie kommen. Zuverlässig. Wie ein Uhrwerk.
Irgendwann folgt dann oft die Aussage einer Gewerbetreibenden, dass die Mütter ohnehin alle schwarz arbeiten, ihre Textilien nicht kennzeichnen oder sich nicht fortbilden würden.
Alle kacke, besonders Muttis! Und am meisten die, die versuchen sich durch Nachfragen in Nähgruppen zu informieren. Über denen wird erstrecht Spott, Schande und die Unterstellung von Naivität ausgeschüttet. Traurig. Wie man es macht, man macht es falsch.

Raushalten?

Ja, ich könnte mich da raushalten. Will ich aber nicht. Wenn ich höre, dass die großen Schnitt- und Anleitungserstellerinnen die einzigen sind, denen man vertrauen kann, weil es nicht "solche" Muttis sind, finde ich das traurig. Warum? Weil viele von ihnen schon auf ihren Blogs darüber geschrieben haben, wie sie zu ihrem Job und ihrer Position gekommen sind. Und wie fangen diese Geschichten an? Oft mit der Geburt eines Kindes. Mit Veränderungen, die ein Baby ins Leben bringt. Und mit teilweise notwendigen und teilweise gewünschten Änderungen, die man im Rahmen der nun notwendigen Neujustierung von Prioritäten, Lifestyle, Job und Familienleben vornimmt.

Ich finde immer, ein besonders passendes Beispiel für sehr professionelle Arbeit in der Szene ist Julia von Kreativlabor Berlin. Und auch sie ist ein Beispiel für eine Frau, die sich im Anschluss an die Elternzeit in der kreativen Szene selbstständig gemacht hat. Wie sie in ihrem Ebook "Wie du mit deinem DIY-Blog Geld verdienen kannst" beschreibt, übrigens keineswegs mit der Absicht, sich mit einem solchen Job noch ein paar Jahre auf die faule Haut legen zu können, und sich durch einen Mann finanzieren zu lassen, sondern mit der festen Absicht von diesem Job leben zu können! Die Hauptberuflichkeit, die oft als Qualitätsmerkmal und Gegensatz zu den Müttern genannt wird, schließt das Muttersein nämlich nicht aus, sondern ist oft ganz eng damit verknüpft.

Ich möchte nicht ausschließen, dass es wirklich ein paar Mütter gibt, die die Selbstständigkeit als Hobby betreiben. Oder die einfach einen Gewerberabatt nutzen möchten. Ich muss aber ganz klar sagen: Ich kenne KEINE von diesen Frauen persönlich. Alle, denen ich bisher so nah gekommen bin, dass man auch über die privaten Seiten des Berufs sprechen kann, waren sich sehr klar darüber, wieviel Arbeit sie sich mit ihrer Selbstständigkeit, auch über das reine Nähen oder Anleitungen schreiben hinaus, aufbürden. Ich mutmaße, dass nur wenige ihre Steuererklärung oder Buchhaltung als ein Hobby betrachten, und die, die ich kenne, sind sich sehr bewusst, dass diese unangenehmen Aufgaben direkt mit ihrer Selbstständigkeit verknüpft sind.

Eine Lanze brechen!

Eigentlich möchte ich hier mal eine Lanze brechen für die Mütter, die den Mut haben sich selbstständig zu machen. Und erklären, wie ich ihre Situation sehe:

Wenn eine Frau ein Kind bekommt, bringt das viele Veränderungen mit sich. Und ich bin, auch wenn ich bisher erst ein Kind habe, und somit keinen Vergleich über das Ausmaß der Veränderungen ziehen kann, die mit dem zweiten oder weiteren Kindern auf eine Familie zukommen, sicher, dass sie größte Veränderung der Schritt vom kinderlosen Paar oder Single zur kleinen Familie ist.
Man rechnet vor der Geburt mit einigen Veränderungen, aber nicht mit allen. Ab hier kann ich nur subjektiv erzählen, was ich selbst erlebt habe.
Bevor unser Sohn geboren wurde, war es für mich völlig normal, dass ich mich nach 18 Uhr nicht zu Hause, sondern bei Freunden, Familie, eben einfach unterwegs befunden habe. Je weiter er dem Säuglingsalter entwächst, desto weniger ist das inzwischen der Fall. In der Regel bin ich spätestens um 19 Uhr mitten im Abendprogramm.
Vor der Geburt des Zwergs, und auch noch etwas über anderthalbjahre nach der Geburt,  habe ich auf selbstständiger Basis gearbeitet. Dieser Job war mit vielen Kundenterminen verbunden. Meistens abends, wenn sowohl meine Kunden als auch ich in meiner Haupttätigkeit, nämlich als Studentin, Feierabend hatte. Ich habe in der Elternzeit gearbeitet und in Kauf genommen dadurch nur das Minimum Elterngeld zu bekommen, denn wer selbstständig ist, kann es sich nicht leisten ein Jahr zu pausieren, wenn er seinen Kundenstamm halten will.
Auch mein Mann arbeitet selbstständig, und vorwiegend abends. Als unser Sohn in die Krippe kam, wurde schnell deutlich, dass es nicht geht, dass er zusätzlich zu der Zeit die er tagsüber fremdbetreut ist, auch an drei bis vier Abenden in der Woche mit einem Babysitter zu Hause ist. Es geht nicht, weil ich mich damit nicht gut gefühlt hätte. Die Priorität hatte für mich in diesem Moment die Zeit, die ich mit meinem Sohn verbringen kann.

Wenn ich meine Situation, und die beruflichen und persönlichen Veränderungen, die sie mit sich gebracht hat, auf andere Mütter übertrage, kann ich uneingeschränkt nachvollziehen, warum sie sich in der Kreativszene selbstständig machen. Man möchte etwas tun, an dem man Spaß hat (das halte ich übrigens für eine notwendige Motivation um selbstständig erfolgreich zu sein). Man möchte oder muss Geld verdienen. Und man möchte zu Zeiten arbeiten, die es einem ermöglichen, dass die Zeit, die man mit seinen Kindern verbringen kann, auch Zeit ist in der man Zeit für die Kinder hat.
Für mich bedeutet das beispielsweise, dass ich von halb zehn bis nachmittags um drei und dann wieder wenn der Zwerg abends schläft, zu Hause, arbeiten kann- und alle weiteren notwendigen Dinge erledigen muss. Denn nach der Krippe bis zum Bett gehört meine Zeit ihm.

Emotionen

Eine nicht unwichtige Rolle in diesen vielen Entwicklungen spielen Emotionen. Veränderungen und eine Verschiebung der finanziellen Verantwortung durch die Geburt eines Kindes, die Erwartungen an die Mütter spätestens nach einem Jahr wieder zu arbeiten (aus politischer Sicht und aus Sicht anderer Mütter), die Notwedigkeit wieder zu arbeiten um die Familie finanzieren zu können, und die Suche nach dem eigenen Platz, den man mit seiner neuen Rolle in der Gesellschaft einnimmt, sorgen dafür, dass die Situation hochgradig emotional aufgeladen ist. Man hat immer wieder selbstzweifel, man ist immer wieder unsicher und tastet sich voran. Und in diesem emotionalen Mienenfeld bekommt man in den Sozialen Medien, dem Platz, wo man sich gleichgesinnte und vielleicht ein paar Antworten auf seine Fragen erhofft, immer wieder negatives Feedback.
Mich wundert es nicht, wenn man sich dann nicht traut 30€ für eine Pumphose, oder 10€ für ein Ebook zu verlangen. Man schätzt nach der Abwertung und den vielen negativen Emotionen, die einem entgegen schlagen, den Wert der eigenen Arbeit nichtmehr hoch genug ein. Man zieht sich den Schuh der "Mutti die nur schlechte Qualität liefert" irgendwann an, kalkuliert seine Preise nichtmehr wirtschaftlich und hofft vielleicht mit den niedrigen Preisen für Kunden attraktiv zu werden. Um dann in die Kritik zu geraten, weil man anderen damit ihre Preise kaputt machen würde.

Schluss mit dem Mutti-Bashing!

Ich wünsche mir, dass die, die mit Vorwürfen und Verallgemeinerungen schnell bei der Hand sind, beim nächsten Mal daran denken, dass sich die Person, die sie oberlehrerhaft rügen, die sie kritisieren und der sie vielleicht Vorwürfe machen, nicht kennen und nichts über ihren Hintergrund wissen.

Ich wünsche mir Zusammenhalt unter Frauen, unter Kreativen, unter Selbstständigen, unter allen diesen Menschen mit denen uns wahrscheinlich mehr verbindet als wir im ersten Moment sehen, denn wir werden alle irgendwann unsere Nische finden, und Qualität wird sich durchsetzen.

Ich wünsche mir, dass das Wort MUTTER kein Schimpfwort mehr ist, und nichtmehr negativ konnotiert und mit Naivität oder Ahnungslosigkeit besetzt wird. Denn egal in welchem Bereich, Mütter leisten unglaubliches, und wer neben den bestehenden Belastungen den Mut aufbringt sich selbstständig zu machen, der verdient Respekt, egal ober er scheitert oder erfolgreich wird.

Ich habe etwas in meiner Zeit als Selbstständige gelernt. Auch die Frauen und Männer, die dort arbeiten, bei Tupperware, werden gern belächelt und für verrückt gehalten, weil man dort schließlich nichts verdienen könne- Man belächelt sie zu unrecht, und neben der Tatsache, dass viele davon Leben können, können diese Menschen etwas sehr wichtiges. Sie können GÖNNEN. Sie können in einer Frauendominierten Branche nebeneinander und zusammen arbeiten ohne Studtenbissigkeit und Missgunst. Und das wünsche ich mir für alle Branchen und Szenen am meisten. Das Gönnen-können.